In Karlsruhe unterschätzen Bauherren regelmäßig den Einfluss lokaler Sedimentbecken auf das seismische Antwortspektrum – ein Fehler, der bei einem Erdbeben zu Resonanzschäden führen kann, die in der Makrozonenkarte nicht abgebildet sind. Die Stadt liegt am östlichen Rand des Oberrheingrabens, einer der seismisch aktivsten Zonen Deutschlands, wo quartäre Kies-Sand-Wechselfolgen des Rheins auf tertiäre Tonsteine treffen. Unser Team führt die seismische Mikrozonierung nach dem aktuellen nationalen Anhang des Eurocode 8 (DIN EN 1998-1/NA:2021-07) durch und kombiniert geophysikalische Feldmessungen mit laborbasierten dynamischen Bodenkennwerten. Gerade in gründerzeitlichen Vierteln mit tiefen Baugruben oder in den neuen Entwicklungsgebieten nahe der Alb ist eine standortspezifische Gefährdungsbeurteilung unverzichtbar. Die MASW-Messung liefert uns dabei das Scherwellengeschwindigkeitsprofil, das für die Berechnung der Bodenverstärkung nach der Transferfunktionsmethode erforderlich ist.
Die lokale Geologie des Oberrheingrabens kann seismische Wellen um das Drei- bis Vierfache verstärken – ein Effekt, den nur die Mikrozonierung sichtbar macht.



